22.01.2013

Blödsinn, den Nicht-VeganerInnen sagen Pt. I

An dieser Stelle hab ich ja schonmal ein Potpourri von unqaulifizierten Fragen und Bemerkungen zusammengetragen, mit denen man sich konfrontiert sieht, wenn man sich als VeganerIn outet.
Hier geht es jetzt mehr um einen etwas seriöseren, argumentativen Ansatz.
Das Gegenstück "Blödsinn, den VeganerInnen sagen" habe ich übrigens hier schonmal mehr oder weniger mit angerissen.
Alle folgenden Aussagen entstammen (bis dato) sechzehnjähriger Veganpraxis.
  • Für Dein Soja wird der Regenwald abgeholzt
    Nein. Es ist korrekt, dass für den Anbau von Sojabohnen vor allem in Südamerika riesige Flächen genutzt werden, die mal Amazonas waren. Aber das absolute Gros davon wird zu Vieh- und Fischfutter verarbeitet! Und nicht für Tofu und Soajmilch für die paar Veg*s, die es gibt. Allein, weil für die Ernährung von den unglaublichen Massen an 'Nutztieren' gigantische Mengen an Futtermitteln benötigt werden (viel, viel mehr, als wenn das Soja direkt zur menschlichen Ernährung genutzt würde), aber auch, weil manche Unternehmen bewusst aus anderen (regenwaldlosen) Ländern importieren.
    Das Argument ist also ein Boomerang - wer sich solche schrecklichen Sorgen um den Regenwald macht, sollte also vielleicht mal das Rindersteak und die Milchprodukte aussm Kopp lassen.
     
  • Der Mensch braucht Fleisch
    Ich dachte nicht, dass es diese Behauptung tatsächlich noch gibt, aber neulich hab ich sie doch noch - wenn auch aus zweiter Hand - zu hören bekommen (kurioserweise auch noch von einer Biolehrerin).
    Das ist nun wirklich Schwachsinn. Den Körper interessiert es erstmal nicht, ob Fleisch, Tierprodukte oder Pflanzen - er braucht seine Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Protein, Fett) und seine Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente).
    Protein, also Eiweiß, besteht wiederum aus Aminosäuren und Fett aus Fettsäuren, von denen es jeweils einige gibt, die der Körper nicht selber herstellen kann, die nennt man "essentiell". Es gibt 8 essentielle Aminosäuren (für Kinder 10) und 2 essentielle Fettsäuren, zudem etliches an essentiellen Mikros.
    Jetzt ist es eben einfach so, dass es keine einzige Aminosäure, Fettsäure und kein Vitamin oder Spurenelement gibt, das ausschließlich in Fleisch zu finden ist.
    Das selbe gilt für sonstige Tierprodukte mit einer Ausnahme, nämlich dem Vitamin B12, das (in für den Menschen verwertbarer Form) nur in tierischen Produkten vorkommt, da es von Bakterien im Darm gebildet wird.
    Der Mensch braucht deswegen aber trotzdem keine Tierprodukte - B12 lässt sich sehr bequem supplementieren, nämlich durch angereicherte Nahrungsmittel, Tropfen, Tabletten, Zahnpasta oder Spritzen (was ja kein Problem darstellt, wenn man nicht irgendeinen "Vegan ist die usprünglichste, gesündeste und natürlichste aller Ernährungsarten!!"-Kurs fährt; was dann ein Fall für "Blödsinn, den VeganerInnen sagen" wäre). Davon abgesehen wird B12 normalerweise über Jahre in der eigenen Leber gespeichert, also erstmal kein Grund zur Panik, näheres dazu hier.
     
  • Veganer haben Mangelerscheinungen
    Ja, manche haben die. Aber der Millionenmarkt an Nahrungsergänzungsmitteln speist sich bestimmt nicht aus den paar VeganerInnen, die es bisher gibt.
    Wenn man von seinem üblichen omnivoren Speiseplan einfach alles wegstreicht, was tierischer Herkunft ist und sich nur noch davon ernährt, was über bleibt, dann stehen die Chancen tatsächlich ganz gut, dass man nicht alles mitkriegt, was man braucht um voll funktionisfähig zu bleiben.
    Andererseits stellt sich auch die Frage, warum immer bei veganer Ernährung so ein riesen Bohai um etwaige Mängel und gesundheitliche Gefahren gemacht wird. Es ist ja nicht grade so, dass eine omnivore Ernährung in der gesellschaftlichen Praxis gleichbedeutend mit einer ausgewogenen gesunden Esskultur wäre, nicht wahr? Nur weil sich ein nicht unbedeutender Teil der Omnivoren primär von Chips, Keksen, Cola und frittiertem Formfleisch ernährt, sehen Medien und öffentliche Organe sich doch auch nicht genötigt, vor den Risiken eines omnivoren Lebensstils zu warnen. Warum nur nicht?
    Es ist ohne Probleme möglich, sich vegan und ohne Mangelerscheinungen zu ernähren (die Ausnahmefälle einiger spezieller Nahrungsmittelallergien, Resorptionsstörungen oder sonstiger gesundheitlicher Abweichungen mal außen vor gelassen). Siehe auch oben "Der Mensch braucht Fleisch"
     
  • Kühe müssen gemolken werden, sonst sterben sie/haben große Schmerzen
    Ja richtig. Und warum ist das so? Vielleicht, weil das Kalb, für das die Kuhmilch eigentlich vorgesehen ist, der Kuh kurz nach der Geburt weggenommen wurde, um seinerseits je nach Geschlecht für die Milch- oder Fleischproduktion weiterverheizt zu werden.
    Für diesen Zweck wird sie einmal im Jahr geschwängert. Hinzu kommt, dass in der Nutztierzucht mit spezialisierten Zuchtrassen gearbeitet wird, in diesem Fall also bezogen auf extreme Milchleistung.
     
  • Es schmeckt mir einfach zu gut!
    Ok, da kann man nicht viel weiter zu sagen. (gegen kategorischen Egoismus lässt sich von einem ethisch-moralischen Standpunkt aus argumentativ nicht viel ausrichten)
     
  • Ohne Schlachthöfe und Nutztierzucht würden Arbeitsplätze verloren gehen
    Das ist etwas kurz gedacht. Ich schätze, nicht mal der militanteste Veganer geht davon aus, dass irgendwann - PLOPP! - von einem Tag auf den anderen die ganze Welt vegan wird und alle SchlachterInnen, Wurstthekenpersonal und FarmbetreiberInnen arbeitslos und traurig nach Hause gehen müssen, wo sie ihre hungernden Familien nicht mehr ernähren können. Selbst wenn irgendwann alle oder das Gros der Leute sich vegan ernähren würden (was toll wäre!), würden sie dadurch ja nicht weniger essen. Die Arbeitsplätze, die in den einen Branchen wegfielen, würden in den entsprechenden anderen Branchen dazukommen.
    Davon abgesehen sind Arbeitsplätze ja nicht als Selbstzweck da, sondern haben eine Funktion. Es würde sich ja (hoffentlich) auch niemand gegen die Verfolgung von Menschenhandel-Ringen aussprechen, weil dann die armen Zuhälter und Schlepper arbeitslos werden, nech? (nein, ich sage damit nicht, dass eine Wurtsfachverkäuferin moralisch auf einer Ebene mit einem Sex-Trafficker steht /Disclaimer) 
...Fortsetzung folgt.

    Kommentare:

    1. unterhaltsam und überzeugend zugleich *thumbsup*

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    2. Das schlimmste Ding das ich jemals gehört habe:
      "Als Veganerin kannste ja keinen Sex mehr haben, weil Wüstchen kannste nicht mehr in dich reintun" -.-
      Spricht für sich, oder?

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    3. Man stelle sich mal vor, es wird ein Allheilmittel gegen Krebs gefunden. OMG dann werden ja die ganzen Onkologen arbeitslos !!! Das können wir nicht riskieren.

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    4. Pflanzen sind auch Lebewesen. Ob sie nun bei Mozart höhren besser wachsen oder beim absäbeln sicher Schmerz empfinden ist in unserer antinaturwissenschaftlichen Welt anscheinend uninteressant. Wie die Bären sind wir Allesfresser. Will hier garnicht auf Vitamin B12 Mangel herumhacken. Auch unser Verdauungstrkt unterscheidet sich wesentlich von dem einer Kuh. Und eine Modeerscheinung kann zumindest teilweise zu mehr Sojaproduktion führen...

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